Fischernester und Bettenburgen

Daß die Zeit in einigen Gegenden anders vergeht als hierzulande wird einem an der Algarve schon nach wenigen Stunden klar. In der malerischen Landschaft am südwestlichen Ende Europas wirkt Eile fehl am Platze.

Die vielen Jahrhunderte in denen allein der Rhythmus des Atlantik das Leben bestimmte, haben ihre Spuren in der Landschaft und den Menschen hinterlassen. Nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen. Daß jede Aufgabe ihrer Zeit bedarf, erlebt man allerorten. Was man in Deutschland nur aus Ämtern kennt – das Ziehen einer Wartenummer – bekommt an der Algarve einen ganz eigenen Charme. Hat man sich einmal an das gemütliche Tempo der Portugiesen gewöhnt, stören Wartenummern in der Post oder am Käsestand wenig – ja sie werden sogar ein willkommener Ersatz fürs Schlangestehen. So verwundert es kaum, daß die entspannende, sonnenverwöhnte Landschaft Urlauber aus aller Herren Länder anzieht. Selbst die DFB-Truppe hat für die kommende Fußball-Europameisterschaft dort ihr Quartier genommen – um Ruhe und Konzentration zu finden.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Algarve zu einem der beliebtesten Urlaubsziele in Portugal entwickelt. Scharen vor allem englischer Touristen bevölkern in der Hochsaison die vormals malerisch leeren Strände. Entlang der berühmten Steilküste wachsen aus ehemaligen Fischernestern wahre Hotelstädte mit allem, was das Urlauberherz begehrt – von der Diskothek bis zum Golfplatz. Doch ähnlich wie in Mallorca findet man nur ein wenig abseits der Touristenmassen noch immer die typische Idylle.

Bei einem Strandspaziergang entlang der zerklüfteten sandsteinernen Steilküste sollte man jedoch die Gezeiten nie vergessen. So kann es durchaus passieren, daß ein eben noch trockener Sandweg unvermittelt in den warmen Fluten des Atlantik verschwindet und eine kleine hölzerne Treppe der einzige Weg zurück bleibt. Die wenigen, teilweise dreitausend Jahre alten Städte zeugen von der wechselhaften Geschichte der Gegend, deren Name auf den arabischen Begriff „al-gharb“ zurückgeht – was schlichtweg Westen heißt.

Phönizier, Römer, Goten, Mauren und schließlich Portugiesen hinterließen in den verwinkelten Gassen der Altstädte ihre Spuren. Besonders sehenswert sind die Altstadt von Lagos und die zahlreichen Ruinen altrömischer Villen in der Nähe der Stadt.

Auf keinen Fall verzichten sollten man auf eine Reise zum südwestlichsten Punkt Europas – dem Kap Vincente. Der Leuchtturm am äußersten Ende des Kontinents, der mit einer Reichweite von 90 Kilometern auch der stärkste ist, zeigt eindrucksvoll die bis heute reichende Bedeutung der Algarve für die Seefahrt. Im sehenswerten nahen Sagres stand einstmals die bedeutendste Seefahrerschule Europas in der die Grundlagen für Portugals Aufstieg zur Kolonialmacht gelegt wurden.

Reisetips Algarve

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