Studentenstrandvergnügen

Wer sich nach einem anstrengenden Semester und einer stressigen Prüfungszeit nach Sonne und Strand sehnt, hat es schwer.

Denn weder im März, noch im September kann man sich trotz Klimaveränderung in den studentisch preisfreundlichen Gegenden Europas auf warmes Wetter tatsächlich verlassen, und so muß man nach Afrika ausweichen. Aufgeheizt durch die Sahara, bieten Tunesiens gepflegte Mittelmeerstrände selbst außerhalb des Sommers mit Sonne satt und strahlend blauen Wellen ein echtes Badevergnügen.

Schon bei der Anreise zum Hotel wird jedoch deutlich, was einen erwartet. Nachdem der leicht klapprige Bus die Autobahn und die Straßensperren der Polizei hinter sich gelassen hat, eröffnet sich die schöne neue Welt des Mittelmeer-Massentourismus.

Mehr oder weniger geschmackvolle Hotelanlagen reihen sich, nur unterbrochen von Bars und Restaurants, immer entlang des Strandes aneinander. Das günstige Strandparadies ist ein erheblicher Wirtschaftsfaktor und entsprechend werden die Touristenhochburgen gut geschützt.

Die meisten Hotelanlagen sind auf ein Rundum-Sorglos-Paket ausgerichtet. Alles-inklusive-Angebote sind weit verbreitet und die Berechtigung zu unbeschränktem Essen, Trinken und Unterhaltungsangeboten wird meist durch wasserfeste Plastikarmbänder angezeigt, wie man sie von Festivals kennt. Bei den gebotenen Speisen sollten man sich auf jeden Fall an die abwechslungsreichen lokalen Speisen halten, da so manchen tunesischen Köchen selbst einfache ungewohnte Speisen wie Pommes Frites nicht immer gelingen.

Für kulturell und historisch interessierte Gäste bieten die Touristenhochburgen an der Westküste Tunesiens nur wenig Erquickliches. Außer den Ruinenfeldern des alten Karthago und Ausflügen in die Sahara hält die Gegend wenig bereit. Städte wie Hammamet, die seit dem Beginn des Tourismusbooms in den Siebzigern scheinbar nur noch um Hotelanlagen, Restaurants und Bars gewachsen sind, verbreiten genausowenig Charme wie die touristischen Satellitenstädte anderer Regionen. Die als Kulturprogramme verkauften Tagesausflüge haben dabei wenig mit der tatsächlichen Kultur und den Lebensumständen der Tunesier zu tun, sondern sind vielmehr eher schlecht als recht touristisch aufpolierte, einfache und seichte Folklore.

Selbst von der Medina, der bei Touristen oft beliebten arabischen Altstadt mit ihrem Markt, wurde in Hammamets Touristenvorstadt Yasmin eine ausländerfreundliche Kopie mit weniger aufdringlichen Händlern und angeschlossenem Vergnügungspark errichtet. Wie wenig all dies mit der Realität oder auch nur mit Kultur zu tun hat, sollte jedem sofort aufgehen. Mehr können Touristen nicht erwarten von Orten, die scheinbar nur aus Hotels bestehen. Doch ist es ja nicht die Kultur, die nach Tunesien lockt, sondern bezahlbare, freundliche Hotels mit Strandlage direkt am sonnenverwöhnten südlichen Mittelmeer.

Die Menschen sind stets freundlich, auch wenn das allgegenwärtige Bakschisch alle, selbst die bereits bezahlten, Dienstleistungen erheblich beschleunigt und in der Qualität anhebt. So zeugen reservierte, blumenverzierte Tische im sonst überfüllten Hotelrestaurant und kunstvoll gestaltete Handtuchskulpturen auf den Zimmern deutlich von großzügigem Trinkgeld, für das man immer Dinarstücke in der Tasche haben sollte.

Reisetips Tunesien

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